Funktionen
Es seien \( A \) und \( B \) zwei nichtleere Mengen und \( f \) eine Relation von \( A \) nach \( B \). Wenn jedes Element der Definitionsmenge \( A \) durch die Relation \( f \) genau einem Element der Zielmenge \( B \) zugeordnet wird, so wird die Relation \( f \) als eine Funktion (y-Abbildung) von \( A \) nach \( B \) bezeichnet.
Die mathematische Notation lautet:
\[ f: A \longrightarrow B \quad \text{oder} \quad A \rightarrow{f} B \]
Hierbei nennt man \( A \) die Definitionsmenge (bzw. den Definitionsbereich) ve \( B \) die Zielmenge (bzw. den Mitbereich) der Funktion. Die Teilmenge von \( B \), die aus den tatsächlichen Bildelementen der Definitionsmenge \( A \) besteht, wird als Wertemenge (oder Bildmenge) von \( A \) bezeichnet und als \( f(A) \) dargestellt.
Beispiel:

\( A = \{ a, b, c, d \} \) ist die Definitionsmenge,
\( B = \{ 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 \} \) ist die Zielmenge,
\( f(A) = \{ 4, 5, 6 \} \) ist die Wertemenge (Bildmenge), wobei \( f(A) \subseteq B \) gilt.
Wenn \( f: A \to B \) und \( (x,y) \in f \), schreibt man:
\[ f: x \to y \quad \text{oder} \quad y = f(x) \]
Hierbei wird \( y \) als das Bild von \( x \) unter der Funktion \( f \) bezeichnet.
Beispiel:
Gegeben seien die Mengen \( A = \{ -1, 0, 1, 2 \} \) und \( B = \{ -1, 0, 1, 2, 3, 4 \} \). Eine Funktion \( f \) von \( A \) nach \( B \) sei wie folgt definiert:
\[
f = \{ (x, y) \mid y = x^2 \}
\]
In diesem Fall lautet die Zuordnungsvorschrift:
\[
f(x) = x^2
\]
Die Berechnung der einzelnen Funktionswerte ergibt:
\[ \text{Für } x = -1 \quad \implies \quad f(-1) = (-1)^2 = 1 \]
\[ \text{Für } x = 0 \quad \implies \quad f(0) = 0^2 = 0 \]
\[ \text{Für } x = 1 \quad \implies \quad f(1) = 1^2 = 1 \]
\[ \text{Für } x = 2 \quad \implies \quad f(2) = 2^2 = 4 \]
Daraus ergibt sich die Relation in aufzählender Form zu \( f = \{ (-1, 1), (0, 0), (1, 1), (2, 4) \} \), was im Folgenden als Pfeildiagramm veranschaulicht wird. Die resultierende Wertemenge lautet:

\[ f(A) = \{ 0, 1, 4 \} \]
Wichtiger Hinweis:
Damit eine Relation \( f \) von \( A \) nach \( B \) eine Funktion definiert, müssen die folgenden zwei Existenz- und Eindeutigkeitsbedingungen erfüllt sein:
\( 1) \) Jedes Element der Definitionsmenge \( A \) muss mindestens einen Partner haben (es darf kein Element unzugeordnet bleiben); in der Zielmenge \( B \) dürfen hingegen Elemente übrig bleiben.
\( 2) \) Jedes Element aus \( A \) darf auf genau ein Element der Zielmenge \( B \) abgebildet werden (Rechtseindeutigkeit).
Beispiele:
Gegeben seien die Mengen \( A = \{ a, b, c \} \) und \( B = \{ 1, 2, 3 \} \). Wir untersuchen, ob die folgenden Relationen von \( A \) nach \( B \) Funktionen darstellen.
\[
\bullet \quad f_1 = \{ (a, 1), (b, 3) \} \quad \text{Wir stellen diese Relation in einem Pfeildiagramm dar.}
\]

Da das Element \( c \in A \) keinem Wert zugeordnet ist (es bleibt leer), ist die Relation \( f_1 \) keine Funktion.
\[
\bullet \quad f_2 = \{ (a, 1), (b,2), (b, 3), (c, 3) \} \quad \text{Wir stellen diese Relation in einem Pfeildiagramm dar.}
\]

Da das Element \( b \in A \) mit zwei verschiedenen Bildelementen (2 und 3) in \( B \) verknüpft ist, liegt keine eindeutige Zuordnung vor. Die Relation \( f_2 \) ist somit keine Funktion.
\[
\bullet \quad f_3 \quad \text{Wir stellen diese Relation in einem Pfeildiagramm dar.}
\]

Da die Relation \( f_3 \) alle mathematischen Bedingungen erfüllt, handelt es sich um eine Funktion.
\[
\bullet \quad f_4 \quad \text{Wir stellen diese Relation in einem Pfeildiagramm dar.}
\]

Da die Relation \( f_4 \) alle mathematischen Bedingungen erfüllt, handelt es sich um eine Funktion.
Beispiel:
Auf der Definitionsmenge \( A = \{ -2, -1, 1, 2 \} \) ist eine Relation \( f \) graphisch wie folgt gegeben.

Daraus erstellen wir das zugehörige Pfeildiagramm:

Da dem Element 1 aus der Definitionsmenge zwei unterschiedliche Funktionswerte (1 und 2) zugeordnet werden, ist die Relation \( f \) keine Funktion.
Beispiele:
Wir untersuchen die folgenden algebraisch definierten Relationen auf ihre Funktionseigenschaft.
1) Definiert von \( \mathbb{R} \) nach \( \mathbb{R} \):
\[
f_1 = \{(x,y) \mid y = \frac{x}{x^2 – 1} \}
\]
Bei dem rationalen Term \[ y = \frac{x}{x^2 – 1} \] wird der Nenner für \( x = \pm1 \) gleich Null, wodurch der Ausdruck nicht definiert ist. Da die Elemente \( -1 \) und \( 1 \) somit keinen reellen Bildwert besitzen, verbleiben sie definitionslos. Die Relation \( f_1 \) ist daher keine Funktion.
2) Definiert von \( \mathbb{R} \) nach \( \mathbb{R} \):
\[
f_2 = \{(x,y) \mid |y| = x^2 + 1 \}
\]
Betrachtet man die Gleichung \[ |y| = x^2 + 1 \] so besitzt jedes Element der Definitionsmenge zwei verschiedene Bildwerte. Wählt man beispielsweise \( x = 1 \), so ergibt sich \( y = \pm 2 \). Aufgrund dieser Mehrdeutigkeit ist die Relation \( f_2 \) keine Funktion.
3) Definiert von \( \mathbb{R} \) nach \( \mathbb{R} \):
\[
f_3 = \{(x,y) \mid y = \frac{x}{x^2 + 1} \}
\]
Da der quadratische Ausdruck im Nenner für alle reellen Zahlen positiv ist (\( x^2 + 1 \neq 0 \)), wird jedem reellen Eingabewert \( x \) genau ein eindeutiger reeller Funktionswert \( y \) zugeordnet. Somit ist die Relation \( f_3 \) eine Funktion.
4) Definiert von \( \mathbb{Z} \) nach \( \mathbb{Z} \):
\[
f_4 = \{(x,y) \mid y = \frac{x – 1}{3} \}
Bei dieser Relation bleiben Elemente der Definitionsmenge \( \mathbb{Z} \) ohne Zuordnung. Setzt man beispielsweise \( x = 2 \), erhält man \( y = \frac{1}{3} \). Da dies keine ganze Zahl ist (\( \frac{1}{3} \notin \mathbb{Z} \)), besitzt die Zahl 2 kein Bild im vorgegebenen Zielbereich. Die Relation \( f_4 \) ist folglich keine Funktion.
Kriterium (Der Vertikallentest):
Um anhand eines Funktionsgraphen zu prüfen, ob eine Relation eine Funktion beschreibt, zieht man senkrechte Linien (Parallelen zur y-Achse) durch jeden Punkt des Definitionsbereichs:
1) Wenn jede vertikale Linie den Graphen mindestens einmal schneidet (keine Definitionslücken existieren), und
2) Wenn jede vertikale Linie den Graphen in genau einem einzigen Punkt schneidet, handelt es sich um eine Funktion.
Beispiel:
Es ist der Graph einer Relation \( f \) von \( \mathbb{R} \) nach \( \mathbb{R} \) gegeben. Wir untersuchen anhand des Graphen, ob diese Relation eine Funktion darstellt.

Da der Definitionsbereich die gesamten reellen Zahlen umfasst, legen wir gedanklich Senkrechte entlang der gesamten x-Achse an. Es zeigen sich Bereiche, in denen vertikale Linien den Graphen überhaupt nicht schneiden, sowie Linien, die ihn in zwei Punkten schneiden. Da beide Grundbedingungen verletzt werden, ist die Relation \( f \) keine Funktion.
Anschaulich bedeutet das Fehlen eines Schnittpunkts, dass Leerstellen in der Definitionsmenge existieren. Mehrfache Schnittpunkte einer Senkrechten bedeuten wiederum, dass einem einzigen Eingabewert mehrere y-Werte zugeordnet werden.
Beispiele:
Wir prüfen die Funktionsart der nachfolgenden Graphen mithilfe des Vertikalentests:
1)

Es existieren sowohl vertikale Linien, die den Graphen verfehlen, als auch Senkrechte, die ihn zweifach schneiden. Daher ist die Relation \( f_1 \) keine Funktion.

2)
\(\Rightarrow \) 
Zwar gibt es keine Auslassungen, allerdings schneidet die vertikale Gerade im Bereich des senkrechten Linienabschnitts den Graphen in unendlich vielen Punkten. Die Relation \( f_2 \) ist somit keine Funktion.
3)

\(\Rightarrow \)
Jede vertikale Parallele trifft den Graphen lückenlos in genau einem Punkt. Die Relation \( f_3 \) ist folglich eine Funktion.
4)
\(\Rightarrow \) 
Da der Punkt \( (-2,1) \) als offener Kreis eingezeichnet ist (nicht zum Graphen gehört), schneidet die vertikale Gerade \( x = -2 \) den Funktionsgraphen nicht. Das Element \( -2 \) bleibt somit ohne Zuordnung, weshalb die Relation \( f_4 \) keine Funktion ist.
5)
Jede zulässige vertikale Gerade schneidet diesen abschnittsweise definierten Graphen in genau einem Punkt. Die Relation \( f_5 \) ist somit eine Funktion.
Anzahl möglicher Funktionen:
Gilt für die Kardinalitäten \( s(A)=m \) und \( s(B)=n \), so berechnet sich die Anzahl der insgesamt von \( A \) nach \( B \) definierbaren Funktionen über:
\[ \Large n^m \]
Aufgabe 9
Gegeben sind die Mengen \[ A = \{ 1,2,3 \} \quad \text{und } \quad B= \{ a, b, c, d \} \] Wie viele Relationen lassen sich von \( A \) nach \( B \) definieren, die keine Funktion darstellen?
\[
\text{A)} 4026 \quad
\text{B) } 4028 \quad
\text{C) } 4030 \quad
\text{D) } 4032 \quad
\text{E) } 4034
\]
Lösung:
Die Gesamtzahl aller Relationen von \( A \) nach \( B \) entspricht der Mächtigkeit der Potenzmenge des kartesischen Produkts:
\[ 2^{s(A) \cdot s(B)} = 2^{3 \cdot 4} = 2^{12} \]
Die Anzahl der eindeutigen Abbildungen (Funktionen) von \( A \) nach \( B \) beträgt:
\[ s(B)^{s(A)} = 4^3 \]
Subtrahiert man die Anzahl der gültigen Funktionen von der Gesamtzahl aller Relationen, erhält man die Anzahl der Relationen, die keine Funktionen sind:
\[ 2^{12} – 4^3 = 4096 – 64 = 4032 \]
\(\textbf{Antwort: D} \)
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