Eigenschaften von Relationen
1. Reflexivität:
Es sei \(R\) eine Relation auf einer Menge \(A\). Wenn für alle \( \forall \; x \in A \) das geordnete Paar \( (x, x) \in R \) gilt, dann besitzt die Relation die Eigenschaft der Reflexivität, bzw. \( R\) wird als reflexive Relation bezeichnet.
Hinweis: Das mathematische Symbol \(\forall\) ist ein Allquantor und steht für „für alle„.
Beispiele:
\(\bullet \quad R_1 = \{ (a,a), (a, b), (b,b) \} \) ist nicht reflexiv, da ein Element \( c \in A \) existiert, für das \( (c, c ) \notin R_1 \) gilt.
\(\bullet \quad R_2 = \{ (a,a), (a, c), (b,b), (c,c) \} \) ist reflexiv.
Strategie:
Um zu prüfen, ob eine Relation \(R \subset A \times A\) mit \(R = \{(x,y)\mid x \in A \text{ und } y \in A\}\) reflexiv ist, ersetzt man in der Definitionsbedingung \(y\) durch \(x\). Wenn die resultierende Aussage für alle \(x \in A\) allgemeingültig (eine Identität) ist, ist die Relation reflexiv.
Beispiel:
Wir untersuchen, ob die Relation \(R \subset \mathbb{R}^{-} \times \mathbb{R}^{-}\) mit \(R= \{(x,y)\mid |y| + x = 0\}\) reflexiv ist.
Ersetzt man in der Bedingung \(y\) durch \(x\), so erhält man \(|x| + x = 0\). Da \(x \in \mathbb{R}^{-}\) gilt, lässt sich der Betrag als \(-x\) schreiben. Dies führt zu \(-x + x = 0\), was für alle negativen reellen Zahlen eine wahre Aussage darstellt. Somit ist diese Relation reflexiv.
Beispiel:
Wir untersuchen, ob die Relation \(R \subset \mathbb{R} \times \mathbb{R}\) mit \(R = \{(x,y) \mid y < x\}\) reflexiv ist.
Ersetzt man \(y\) durch \(x\), ergibt sich die Ungleichung \(x < x\). Da diese Aussage für alle \(\forall x \in \mathbb{R}\) falsch ist, ist die Relation nicht reflexiv.
Anzahl reflexiver Relationen:
Wenn die Mächtigkeit der Menge \(A\) gleich \(n\) ist (d. h. \(s(A) = n\)), lässt sich die Anzahl der verschiedenen reflexiven Relationen, die auf \(A\) definiert werden können, wie folgt berechnen:
\[\Large 2^{n^2 – n}\]
Beispiel:
Auf einer Menge \(A = \{1, 2, 3, 4, 5\}\) mit \(n = 5\) können insgesamt \[[2^{5^2 – 5} = 2^{20}\] verschiedene reflexive Relationen definiert werden.
2. Symmetrie:
Es sei \(R\) eine Relation auf einer Menge \(A\).
\[\text{Wenn } \forall (x,y) \in R \implies (y,x) \in R, \text{ dann besitzt } R \text{ die Eigenschaft der Symmetrie, bzw. } R \text{ ist eine symmetrische Relation.} \]
Strategie:
Das symmetrische Gegenstück eines geordneten Paares \((a,b)\) bezüglich der Hauptdiagonale (Spiegelachse \(y = x\)) ist das Paar \((b,a)\).
Damit eine Relation symmetrisch ist, muss zu jedem enthaltenen geordneten Paar auch dessen symmetrisches Gegenstück in der Relation existieren. Fehlt auch nur für ein einziges Paar das entsprechende Gegenstück, so ist die Relation nicht symmetrisch.
Beispiele:
Betrachten wir folgende Relationen auf der Menge \(A = \{1, 2, 3, 4\}\):
\(\bullet \) \(R_{1} = \{(1,1), (1,2), (2,3), (3,2)\}\) ist nicht symmetrisch, da zwar \((1,2) \in R_{1}\), aber das symmetrische Gegenstück \((2,1) \notin R_{1}\) ist.
\(\bullet \) \(R_{2} = \{(1,2), (1,3), (3,3), (3,1), (2,1)\} \) ist symmetrisch.
\(\bullet \)\( R_{3} = \{(1,1), (2,2), (3,3)\} \) ist symmetrisch.
Eigenschaft:
Eine Relation \(R\) ist genau dann symmetrisch, wenn sie identisch mit ihrer inversen (bzw. konversen) Relation ist, also wenn gilt: \(R= R^{-1}\).
Beispiel:
Für die Relation \( R= \{ (1,1), (1,2), (2,2), (2,1) \} \) auf der Menge \( A = \{ 1, 2 \} \) lautet die inverse Relation \( R^{-1} = \{ (1,1), (2,1), (2,2), (1,2) \} \). Da beide Mengen exakt dieselben Elemente enthalten, gilt \( R= R^{-1} \).
Strategie:
Um eine Relation \( R\subset A \times A \) mit \( R= \{ (x,y) \mid x \in A \text{ und } y \in A \} \) algebraisch auf Symmetrie zu prüfen, vertauscht man die Positionen von \( x \) und \( y \) in der Definitionsbedingung. Wenn die resultierende Bedingung logisch äquivalent zur ursprünglichen ist, ist die Relation symmetrisch.
Beispiel:
Wir untersuchen, ob die Relation \( R\subset Z \times Z \) mit \( R= \{ (x,y) : 5 \mid (x-y) \} \) (wobei \(5\) die Differenz \(x – y\) teilt) symmetrisch ist.
Für eine ganze Zahl \( k \in Z \) lässt sich die Teilbarkeitsbedingung wie folgt darstellen:
\[ 5 \mid (x-y) \Rightarrow \frac{x – y}{5} = k \Rightarrow x – y = 5k \]
Vertauscht man \( x \) und \( y \), so erhält man \( y – x = -5k = 5(-k) \). Da \(-k \in Z\) ebenfalls eine ganze Zahl ist, bleibt die strukturelle Teilbarkeitsbedingung erfüllt. Somit ist die Relation \( R\) symmetrisch.
Beispiel:
Wir untersuchen, ob die Relation \( R \subset Z \times Z \) mit \( R= \{ (x,y) \mid y = |x| \} \) symmetrisch ist.
Das Vertauschen der Variablen \( x \) und \( y \) führt zur Gleichung \( x = |y| \). Da diese Gleichung eine völlig andere Lösungsmenge beschreibt, ist die Relation \( R \) nicht symmetrisch.
Anzahl symmetrischer Relationen:
Wenn die Mächtigkeit der Menge \( A \) gleich \( n \) ist (\( s(A) = n \)), beträgt die Anzahl der verschiedenen symmetrischen Relationen auf \( A \):
\[ \large 2^{\frac{n^2 + n}{2}} \]
3. Antisymmetrie:
Es sei \(R\) eine Relation auf einer Menge \(A\).
\[\text{Wenn } \forall (x, y ) \in R \text{ und } (y, x ) \in R \implies x = y, \]
dann besitzt \(R\) die Eigenschaft der Antisymmetrie, bzw. \( R\) heißt antisymmetrisch.
Das bedeutet: Für zwei verschiedene Elemente (\(x \neq y\)) darf das symmetrische Gegenstück eines Paares niemals ebenfalls in der Relation liegen. Mit anderen Worten: Außerhalb der Hauptdiagonale gibt es keine Paare, die zueinander spiegelbildlich sind.
Beispiele:
Betrachten wir folgende Relationen auf der Menge \(A = \{ 1, 2, 3, 4, 5 \}\):
\(\bullet \quad R_{1} = \{ (1, 1), (2, 2), (1, 2), (3, 2), (2, 1) \}\) ist nicht antisymmetrisch, da sowohl \((1, 2) \in R_{1}\) als auch das symmetrische Gegenstück \((2, 1) \in R_{1}\) existieren, obwohl \(1 \neq 2\) ist.
\(\bullet \quad R_{2} = \{ (1, 1), (1, 3), (2, 3), (3, 3) \}\) ist antisymmetrisch.
Eigenschaft:
Symmetrie und Antisymmetrie sind keine logischen Gegenteile. Aus der Tatsache, dass eine Relation nicht symmetrisch ist, folgt nicht automatisch, dass sie antisymmetrisch ist – und umgekehrt.
Beispiel:
Betrachten wir die Relation auf der Menge \(A = \{ a, b, c, d \}\):
\(R= \{ (a, a), (b, c), (c, d), (c, b) \}\) ist nicht symmetrisch, da zwar \((c, d) \in R\), aber \((d, c) \notin R\) gilt. Gleichzeitig ist sie aber auch nicht antisymmetrisch, da sowohl \((b, c) \in R\) als auch \((c, b) \in R\) enthalten sind, obwohl \(b \neq c\) gilt.
Beispiel:
Die Identitätsrelation auf der Menge \(A = \{ 1, 2, 3 \}\):
\(R= \{ (1, 1), (2, 2), (3, 3) \}\) ist sowohl symmetrisch als auch antisymmetrisch.
Strategie:
Um eine Relation \(R\subset A \times A\) mit \(R= \{ (x, y) \mid x \in A \text{ und } y \in A \}\) algebraisch auf Antisymmetrie zu prüfen, vertauscht man die Variablen \(x\) und \(y\), um ein Gleichungssystem zu erstellen. Dieses System wird unter der Bedingung \(x \neq y\) gelöst. Wenn sich daraus eine leere Lösungsmenge ergibt, ist die Relation antisymmetrisch.
Beispiel:
Wir untersuchen, ob die Relation \(R\subset Z \times Z\) mit \(R= \{ (x, y) \mid x^2 + 3y = 7 \}\) antisymmetrisch ist.
Durch Vertauschen von \(x\) und \(y\) erhalten wir eine zweite Gleichung für ein simultanes Gleichungssystem:
\[y^2 + 3x = 7\quad\text{und} \quad x^2 + 3y = 7\]
Da beide Ausdrücke gleich 7 sind, setzen wir sie gleich:
\[ y^2 + 3x = x^2 + 3y \quad \]
\[ \Rightarrow \quad y^2 – x^2 + 3x – 3y = 0 \]
\[\Rightarrow (y – x)(y + x) – 3(y – x) = 0 \]
\[ \Rightarrow (y – x)(y + x – 3) = 0 \]
Unter der Bedingung für verschiedene Elemente (\( y \neq x \implies y – x \neq 0\)) dürfen wir durch den gemeinsamen Term dividieren. Es bleibt:
\[ y + x – 3 = 0 \quad \Rightarrow \quad y = 3 – x \]
Setzt man diese lineare Bedingung in die ursprüngliche Relationsgleichung ein:
\[ x^2 + 3y = 7 \]
\[\Rightarrow x^2 + 3(3 – x) = 7 \]
\[ \Rightarrow x^2 – 3x + 9 = 7 \]
\[ \Rightarrow x^2 – 3x + 2 = 0 \]
\[ \Rightarrow(x – 1)(x – 2) = 0 \]
Daraus ergeben sich die Nullstellen:
\[
x_1 = 1 \quad\text{oder}\quad x_2 = 2
\]
Setzt man diese Werte wieder ein, erhält man die entsprechenden \(y\)-Werte:
\[
y_1 = 2
\quad\text{oder}\quad
y_2 = 1
\]
Daraus folgt, dass die verschiedenen Paare \((1,2)\) und \((2,1)\) beide zur Relation gehören. Die Relation ist daher nicht antisymmetrisch.
4. Transitivität:
Es sei \(R\) eine Relation auf einer Menge \(A\).
\[ \text{Wenn } \forall(x,y)\in R \text{ und } \forall(y,z) \in R \implies (x,z) \in R, \text{ dann ist } R \text{ eine transitive Relation.} \]
Beachten Sie: Wenn zu einem Paar \((x,y) \in R\) kein weiteres Paar in der Relation existiert, das mit dem Element \(y\) beginnt, so kann dieses Paar \((x,y)\) die Transitivität nicht verletzen. In solchen Fällen ist die Transitivitätsbedingung trivialerweise (bzw. vacuously) erfüllt.
Beispiele:
Betrachten wir folgende Relationen auf der Menge \(A = \{ 1, 2, 3, 4 \} \):
\( \bullet \) \(R_1 = \{ (1,1), (1,2), (2,3), (1,3), (2,4) \} \) ist nicht transitiv, da zwar \((1,2) \in R_1\) und \( (2,4) \in R_1 \) enthalten sind, jedoch \( (1,4) \notin R_1 \) gilt.
\( \bullet \) \(R_2 = \{ (2,1), (1,2), (2,2), (2,3) \} \) ist nicht transitiv, da zwar \((1,2) \in R_2\) und \((2,3)\in R_2\) enthalten sind, jedoch \((1,3) \notin R_2\) gilt.
\( \bullet \) \(R_3 = \{ (1,3), (2,4), (4,3), (1,2), (2,3) \} \) ist nicht transitiv, da zwar \( (1,2) \in R_3 \) und \( (2,4) \in R_3 \) enthalten sind, jedoch \( (1,4) \notin R_3\) gilt.
\( \bullet \) \(R_4 = \{ (1,1), (1,3), (3,4), (1,4) \} \) ist transitiv.
\( \bullet \) \(R_5 = \{(1,1), (2,3), (2,4)\} \) ist transitiv (trivial erfüllt).
\( \bullet \) \(R_6 = \{(3,4)\} \) ist transitiv (trivial erfüllt).
Strategie:
Um eine Relation \( R \subset A \times A \) mit \( R = \{(x,y) \mid x \in A \text{ und } y \in A\} \) auf Transitivität zu prüfen, stellt man die Bedingungen für verkettete Paare auf, indem man \( x \) durch \( y \) und \( y \) durch \( z \) ersetzt. Diese Ausdrücke werden kombiniert, um die Zwischenvariable \( y \) zu eliminieren. Kann daraus die strukturelle Bedingung für \( (x,z) \in R \) hergeleitet werden, ist die Relation transitiv.
Beispiel:
Wir untersuchen, ob die Relation \( R \subset \mathbb{Z} \times \mathbb{Z} \) mit \( R = \{(x,y) \mid x – y = k, \ k \in \mathbb{Z} \} \) transitiv ist.
Wir stellen die Gleichungen für die Paare \((x,y)\) und \((y,z)\) auf:
\[
\begin{aligned}
& y – z = n \quad (n \in \mathbb{Z}) \\
+ \quad & x – y = k \quad (k \in \mathbb{Z}) \\
\hline \\
& x – z = n + k
\end{aligned}
\]
Da die Summe zweier ganzer Zahlen aufgrund der Abgeschlossenheit wieder eine ganze Zahl ist (\( (n + k) \in \mathbb{Z} \)), folgt direkt \( (x,z) \in R \). Somit ist die Relation transitiv.
Eigenschaft:
Im diskreten Koordinatensystem des kartesischen Produkts wird die Gerade \( y = x \) als Hauptdiagonale bezeichnet.
Die globalen Eigenschaften einer graphisch gegebenen Relation lassen sich direkt an der Punktematrix ablesen:
\(1.) \) Reflexiv: Alle Koordinatenpunkte auf der Hauptdiagonale müssen in der Relation enthalten sein.
\(2.) \) Symmetrisch: Der Graph muss eine perfekte Achsensymmetrie bezüglich der Hauptdiagonale aufweisen.
\(3.) \) Antisymmetrisch: Außerhalb der Hauptdiagonale darf kein Punkt ein spiegelbildliches Gegenstück besitzen.
Beispiel:
Betrachten wir die Menge \( A = \{1, 2, 3\} \):

Die oben dargestellte Relation \( R \) erfüllt sowohl die Bedingung der Reflexivität als auch des Symmetrie.
Beispiel:
Betrachten wir die Menge \( A = \{1, 2, 3, 4 \} \):

Die oben dargestellte Relation \( R \) erfüllt sowohl die Bedingung der Reflexivität als auch der Antisymmetrie.
Äquivalenzrelationen:
Es sei \( R\) eine Relation auf einer Menge \( A \). Wenn \( R\) gleichzeitig reflexiv, symmetrisch und transitiv ist, dann heißt \( R \) eine Äquivalenzrelation auf \( A \). Gilt für eine solche Äquivalenzrelation \( (x, y) \in R \), so nennt man die Elemente \(x\) und \( y\) zueinander äquivalent bezüglich \( R \). Dies wird als \( x \equiv y \) notiert.
Beispiel:
Wir weisen nach, dass die Relation \( R= \{ (x, y) \mid x – y = 2k, k \in \mathbb{Z} \} \) auf der Menge \( A = \{ x \mid -20 < x < 20, x \in \mathbb{Z} \} \) eine Äquivalenzrelation ist.
\( 1) \) Ersetzt man \( y \) durch \( x \), erhält man \( x – x = 0 = 2(0) \). Da \( 0 \in \mathbb{Z} \) gilt, ist die Relation reflexiv.
\( 2) \) Vertauscht man \( x\) und \(y \), ergibt sich \(y-x= -2k = 2(-k) \). Da \(-k \in \mathbb{Z}\) gilt, ist dies strukturell identisch zur Ausgangsbedingung, was die Symmetrie beweist.
\( 3) \) Wir betrachten verkettete Paare, indem wir \( y \) für \( x \) und \( z \) für \( y \) einsetzen:
\[\begin{aligned} &y-z= 2n \quad (n \in Z ) \\+ \quad & x-y = 2k \quad (k \in Z ) \\ \hline \\ &x-z= 2(n+k) \end{aligned}\]
Da die Summe ganzer Zahlen abgeschlossen ist (\( n+k \in Z \)), folgt \( (x, z) \in R \). Damit ist die Transitivität gegeben. Da alle drei Eigenschaften erfüllt sind, ist \( R\) eine Äquivalenzrelation.
Beispiel:
Es sei \(A\) die Menge aller Geraden in einer Ebene. Wir zeigen, dass die geometrische Relation \(R\), definiert als „Parallelität von Geraden“, eine Äquivalenzrelation auf \(A\) ist.
Diese Relation umfasst Paare von Geraden, die entweder parallel zueinander oder identisch (echt parallel oder unecht parallel) sind. Für die Geraden \(d_1, d_2, d_3 \in A\) gilt:
\(d_1 \in A, \quad d_2 \in A \quad \text{und} \quad d_3 \in A\) führt zu:
\( 1) \) Da jede Gerade zu sich selbst parallel bzw. identisch ist (\( d_1 \parallel d_1 \)), gilt \( (d_1, d_1) \in R \). Somit ist \( R \) reflexiv.
\( 2) \) Wenn Gerade 1 parallel zu Gerade 2 ist (\(d_1 \parallel d_2 \)), dann muss auch Gerade 2 parallel zu Gerade 1 sein (\( d_2 \parallel d_1 \)). Dies zeigt \( (d_1, d_2) \in R \implies (d_2, d_1) \in R \), folglich ist \( R \) symmetrisch.
\( 3) \) Wenn \( d_1 \parallel d_2 \) und \( d_2 \parallel d_3 \) gelten, folgt aus geometrischen Axiomen, dass auch \( d_1 \parallel d_3 \) gilt. Somit gilt \((d_1, d_2) \in R\) und \((d_2, d_3) \in R \implies (d_1, d_3) \in R\), womit die Relation transitiv ist. Insgesamt ist \( R \) also eine Äquivalenzrelation.
Äquivalenzklassen:
Es sei \( R \) eine Äquivalenzrelation auf einer Menge \( A \). Für jedes Element \( x \in A \) heißt die Teilmenge aller Elemente aus \(A\), die bezüglich \( R\) in Relation zu \( x\) stehen, die Äquivalenzklasse von \( x \). Sie wird als \( \bar{x} \) oder \([x]\) notiert. Es gilt:
\[
\bar{x} = \{ y \in A \mid (x, y) \in R \}
\]
Beispiel:
\[
\text{Gegeben sei die Relation auf der Menge } A = \{ 0, 1, 2, 3, 4 \}:
\]
\[
R= \{ (x, y) : 3 \mid (x – y) \} \quad \text{(wobei 3 die Differenz } x – y\text{ teilt)}
\]
Wir zeigen, dass diese Relation eine Äquivalenzrelation ist, und bestimmen die Äquivalenzklassen der Zahlen 1 und 2.
Die Teilbarkeitsbedingung lässt sich mithilfe einer ganzzahligen Konstante \(k \in \mathbb{Z}\) ausdrücken:
\[
3 \mid (x – y) \Rightarrow \frac{x – y}{3} = k \quad (k \in \mathbb{Z})
\]
Daraus ergibt sich die Relation in expliziter Mengenschreibweise:
\[ R= \{ (0,0), (0,3), (1,1), (1,4), (2,2), (3,0), (3,3), (4,1), (4,4) \} \]
Da diese Relation reflexiv, symmetrisch und transitiv ist, handelt es sich um eine Äquivalenzrelation. Durch Zusammenfassen der verknüpften Elemente erhalten wir die entsprechenden Klassen:
\[ \bar{1} = \{1,4\}, \quad \bar{2} = \{2\} \]
Eigenschaft:
Eine Äquivalenzrelation \( R \) auf einer Menge \( A \) induziert eine Partition (Zerlegung) von \( A \). Das bedeutet, dass die Äquivalenzklassen paarweise disjunkt sind und ihre Vereinigung exakt die Ausgangsmenge \( A \) ergibt. Betrachten wir im obigen Beispiel die verbleibende Klasse:
\[ \bar{0} = \{0,3\} \]
\[\bar{1} = \{1,4\}\]
\[\bar{2} = \{2\}\]
\[A = \bar{0} \cup \bar{1} \cup \bar{2} = \{0,1,2,3,4\}\]
AUFGABE 8
Die Relation
\[
R = \{ (x,y) \mid x^2 + x = y^2 + y, \quad (x,y) \in \mathbb{Z} \times \mathbb{Z} \}
\] ist eine Äquivalenzrelation.
Welche Menge beschreibt die Äquivalenzklasse von 1?
\[
\text{A)} \{ 1,2 \} \quad
\text{B) } \{ -1, 1 \} \quad
\text{C) } \{ 1 \} \quad
\text{D) } \{ -3,1 \} \quad
\text{E) } \{ -2, 1 \}
\]
Lösung:
Um die Äquivalenzklasse von 1 (notiert als \(\bar{1}\)) zu bestimmen, suchen wir alle ganzzahligen Werte für \(y \), die die Relationsbedingung für \( x = 1 \) erfüllen.
\[ x^2 + x = y^2 + y \Rightarrow 1^2 + 1 = y^2 + y \]
\[ \Rightarrow y^2 + y – 2 = 0 \]
\[ \Rightarrow (y – 1)(y + 2) = 0 \]
Das Lösen dieser quadratischen Gleichung liefert die Nullstellen:
\[ \Rightarrow y_1 = 1 \quad \text{oder} \quad y_2 = -2 \]
Zusammengefasst in der entsprechenden Äquivalenzklasse ergibt sich:
\[ \bar{1} = \{-2,1\} \]
\(\textbf{Antwort: E} \)
Halbordnungsrelationen:
Es sei \(R\) eine Relation auf einer Menge \( A\). Wenn \(R\) gleichzeitig reflexiv, antisymmetrisch und transitiv ist, dann bezeichnet man \(R\) als eine Halbordnungsrelation (auch partielle Ordnung oder einfach Ordnung) auf \(A\).
Beispiel:
Wir zeigen, dass die Relation
\[
R = \{ (x, y) \mid x \geq y, (x, y) \in \mathbb{R} \times \mathbb{R} \}
\]
eine Halbordnungsrelation ist.
\( 1) \) Da jede reelle Zahl identisch zu sich selbst ist, gilt stets \(x \geq x \). Somit folgt \( \forall x \in \mathbb{R} \implies (x, x) \in R \), was die Reflexivität beweist.
\( 2) \) Für zwei verschiedene Elemente (\( x \neq y \)) gilt: Wenn die Ungleichung \(x \geq y\) wahr ist, muss ihr logisches Gegenteil \(y \geq x \) falsch sein. Beide Bedingungen können nur dann gleichzeitig erfüllt sein, wenn \(x = y\) gilt. Außerhalb der identischen Diagonalelemente existieren also keine symmetrischen Paare, was die Antisymmetrie beweist.
\( 3) \) Aus \(x \geq y \) und \( y \geq z \) folgt aufgrund der Ordnungsaxiome der reellen Zahlen direkt \( x \geq z \). Damit ist \( R \) transitiv. Da alle drei Eigenschaften erfüllt sind, handelt es sich um eine Halbordnungsrelation.
Beispiel:
Auf der Menge der menschlichen Blutgruppen wird eine Relation definiert, die angibt, wer wem Blut spenden kann. Diese Relation wird mit \( R\) bezeichnet. Wir zeigen, dass es sich hierbei um eine Halbordnungsrelation handelt.
\[R= \{ (A,A), (O,O), (B,B), (AB,AB), (A,AB), (O,B), (B,AB), (O,AB), (O,A) \} \]
Wir überprüfen die strukturellen Eigenschaften dieses Systems:
* Reflexiv: Jede Blutgruppe kann für den identischen Typ spenden (alle Paare auf der Hauptdiagonale sind vorhanden).
* Antisymmetrisch: Abgesehen von identischen Blutgruppen verläuft die Blutspende strikt in eine Richtung. Zum Beispiel kann die Blutgruppe \(O\) an den Typ \(A\) spenden, aber Typ \(A\) kann nicht umgekehrt an Typ \(O\) spenden.
* Transitiv: Wenn Typ \(O\) an Typ \(A\) spenden kann und Typ \(A\) wiederum an Typ \(AB\) spenden kann, dann kann Typ \(O\) folglich auch an Typ \(AB\) spenden.
Da die Relation reflexiv, antisymmetrisch und transitiv ist, handelt es sich um eine mathematisch verifizierte Halbordnungsrelation.
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